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Fühlen Sie sich sicher bei Ihrem Spaziergang im Park? Bei Ihren Einkaufsbummel in der Fußgängerzone? Wenn Sie auf ihre U-Bahn warten? Natürlich, denn sie haben keinem etwas getan, denken Sie. Wie leichtsinnig!   Der Mann neben ihnen, der mit dem unscheinbaren Diplomatenkoffer, könnte ihr Todesurteil vollstrecken.

  

 

In einem verschlafenen Nest, auf der Steilküste von Maine, explodiert eine Telefonzelle und reißt einen jungen Polizisten in den Tod. Es sieht aus wie ein Eifersuchtsdrama. Als aber in anderen Bundesstaaten ebenfalls Menschen in Telefonzellen sterben und in einem U-Bahnhof ein ganzer Call-Shop in die Luft fliegt, durchleuchtet das FBI die Telefongesellschaft. Captain McGuire stößt dabei auf etwas, das ihm das Blut in den Adern gefrieren lässt...

 

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Leseprobe


 

 

Der 31. Mai würde in ein paar Minuten Vergangenheit sein, und mit ihm zusammen, Peter Trempton. Ein perfekter Tag, um zu sterben. Der Mann im blauen Seidenoverall beglückwünschte sich. Er hatte den Tag der gewaltigen Erdbeben– und Sturmkatastrophen mit Bedacht gewählt, denn Tremptons Himmel-fahrt war erst der Anfang. Die erste öffentliche Eruption, wenn man so will. Die, vor Trempton, waren in aller Stille dahingeschieden. Gott hab sie selig! Er prustete bei der Vorstellung. Leben war lebens-gefährlich und es endete auf jeden Fall tödlich. Eine Frage der Zeit und der Art und Weise, wie man ins Gras biss. Bisher war er viel zu human gewesen. Das hatte jetzt ein Ende. Bei dieser Vorstellung schmierte sich ein boshaftes Grinsen in sein anziehendes Gesicht. Ab jetzt würde Blut fließen. Wie Lava. Bis die korrupte Bagage allesamt unter dem Acker war. Bis auf einen. Gouverneur Wilson. Dem würde er sein armseliges, schmieriges Leben lassen, was er dann freilich nicht mehr benut­zen konnte. Wenn er an diesen Satan in Menschenge­stalt dachte, schmiss der Hass Blasen in seinem Blut. Wilson war der Letzte auf der Liste – No. 37. Mit ihm endlich abzurechnen, würde sein Masterpiece werden.

 

Seine Bronchien zogen sich zusammen. Er fingerte nach dem Spray, das ihm das Atmen erleichterte. Jetzt nur keinen Anfall bekommen! Mit zitternden Fingern klebte er den rosafarbenen Klumpen Plastikspreng­stoff unter die Buchablage der Telefonzelle. Gedan­ken rasten durch seine Hirnwindungen. Vor ein paar Tagen hatten sie hier die Deckenbeleuchtung instand gesetzt. Nun strahlte es aus diesem Kabuff, am Arsch der Welt, wie aus einem gottverdammten Kernkraft­werk. Die Zelle war von allen Seiten einsehbar, was ein Risiko bedeutete. Allerdings war es bei seinen Observationen nur ein einziges Mal vorgekommen, dass ihm im Park von White Springs, gegen Mitter­nacht, jemand begegnet war. Das heißt, er hatte die beiden gesehen, wie sie es miteinander trieben. Schamlos! Gern hätte er den Hund auf sie gehetzt. Doch die lahme Töle war dafür nicht zu gebrauchen.

Das Pärchen hatte ihn ignoriert – eventuell gar nicht wahrgenommen – so, wie die ineinander verkeilt wa­ren. Dennoch. Es war ihm so vorgekommen, als hätte die kleine Schlampe absichtlich ihren nackten Busen in seine Richtung gereckt. Und wenn sie sich doch erinnerten? grübelte er. Er verwarf den Gedanken, wie er aufgekeimt war. Wenn Morgen das Blut von der Titelseite des White Springs Herolds tropfte, konnte kein Mensch irgendeine Verbindung zu ihm herstel­len. Es war nicht verboten, nachts im Stadtpark spa­zieren zu gehen und zu telefonieren. Auch wenn das hier, in dem Kaff, schon zu den befremdlichen Dingen gehörte. Der Mann warf sein langes, gepflegtes Haar in den Nacken, das sich ständig in seinem Ohrge­hänge verhedderte. Wer wollte wohl eine elegante „Lady“, wie ihn, die ihren Hund vor dem Schlafenge­hen noch mal im Stadtpark auf die Wiese pissen ließ, in Verbindung mit einem Bombenleger bringen? Ladys legten keine Bomben; die nahmen Zyankali, wenn sie abzurechnen hatten.

Der Mann drückte den Hörer an sein Ohr. Vorsichtshalber bewegte er die Lippen, wie in einem Gespräch. Mit Argusaugen sondierte er die nächste Umgebung der Telefonzelle. Mit seiner freien Hand drückte er den Zünder in die Masse. Das Ganze dauerte nur Minuten, aber der Schweiß rann ihm in Strömen. Nass und klebrig lag die feine chinesische Seide seines Overalls wie eine zweite Haut an seinem knackigen Hintern. Der hellblaue Fummel war eines seiner Lieblingsklamotten. Schade, dass er morgen wahrscheinlich ruiniert sein würde.

Nachdem er sein Werk beendet hatte, zündete er sich eine Asthmazigarette an und blieb rauchend einen Moment vor der Telefonzelle stehen. Mit einem Blick zurück versicherte er sich, dass seine Manipulation unsichtbar war. Er sog die milde, von Kastanienblütenduft schwer beladene Luft gierig ein und fühlte, wie sein Körper entspannte. Jetzt war er sicher, dass niemand ihn beobachtet hatte. Zufrieden wandte er sich zum Gehen. Hinter der bröckeligen Friedhofsmauer von St. Helens Cathedral hatte er vor einer Stunde die Tasche mit Nachtsichtglas und Fernbedienung deponiert. Von dort aus war die Park Lane bis zur Telefonzelle einzusehen. Die kommenden Ereignisse in Gedanken durchspielend lief er zielstrebig seinem Versteck entgegen.

Plötzlich tauchten Scheinwerfer am Ende der Straße auf. Zweifelnd schaute er auf seine Armbanduhr. Es war eine halbe Stunde zu früh und sie kamen nicht aus der Richtung, aus der er sie erwartete. Konnte ausgerechnet heute irgendein Idiot seinen Plan zunichte machen? Die Scheinwerfer näherten sich und jetzt sah er die Lichterbatterie auf dem Dach des Polizeiwagens. Sie waren es! Halleluja!

Nur, dass sie ihn jetzt und hier sahen, passte verdammt noch mal nicht ins Konzept. Es war zu spät, um noch über die Wiese im Park zu verschwinden. Vorsichtshalber überquerte er die Straße. Auf diese Weise konnten sie ihm nicht aus allernächster Nähe ins Gesicht sehen. Als der Streifenwagen nur noch ein paar Meter entfernt war, hielt er seine Hand in Augenhöhe, wie man es tut, um sich gegen die Blendung zu schützen und nickte den Polizisten freundlich zu. Die beiden glotzten herüber ohne eine Miene zu verziehen, während sie in Schrittgeschwindigkeit an ihm vorbeirollten.

   „Verdammte Scheiße!“, presste er zwischen den Zähnen hervor. Jetzt musste er einen Zahn zulegen, um rechtzeitig ins Versteck zu kommen. Er konnte nur hoffen, dass sie nicht mitbekamen, dass sich seine Schrittfrequenz verdoppelte. Was diese Begegnung für seinen Plan bedeutete, war noch gar nicht abzusehen. Nun würde es zwei tote Cops geben müssen, soviel stand fest. Zeugen konnte er nicht brauchen.

 

 

 

2

 

Feuer am Nachthimmel

 

 

Auf Charles Houghtons Schoß drückte die Hitze der Burger durch die Pappverpackung. Der Duft von gebratenen Zwiebeln und saftigem Rindfleisch erfüllte die Kabine und ließ den Männern das Wasser im Mund zusammenlaufen. Es war Sonntagnacht, und seit sie gemeinsam Streife fuhren, war hier im Park der Platz, an dem sie ihre Halbzeitpause einlegten. Peter Trempton ließ den Wagen mit zwei Rädern über die niedrige Bordsteinkante neben der Telefonzelle rollen.

   „Oh, Mann, ist das ein heißer Ofen! Hast du eben ihren Arsch gesehen?“, fragte er. Charles schüttelte amüsiert den Kopf. Er reichte Peter einen der dreistöckigen Onionburger.

   „Da, iss! Und stell dir einfach Mellys Fahrgestell in diesem blauen Fetzen vor. Das ist um Welten besser. Ich finde nichts, was mich an dem Mannweib mit dem Overall-Tick anziehen würde, Pete. Das macht doch nur die Aufmachung. Sie hat die Knete für teure Klamotten und vielleicht auch für die Schönheits-Chirurgen, die ihr das Fett aus den Oberschenkeln kratzen. Mir gefallen richtige Weiber, mit Busen und Arsch, wie das Gott ursprünglich geplant hatte.“

   „Mensch, wo nimmt die nur die Knete her. Ich meine, Urlaub im Seagull ein paar Mal im Jahr, davon träumt unsereiner nur“, sagte Peter selbstvergessen.

   „Ja, hättest du was Ordentliches gelernt“, antwortete Charles schmatzend, „könntest du jetzt mit Melly deinen Stunt in seidenen Kissen haben, brauchtest keine Onionburger essen und dir nicht die Nächte auf durchgesessenen Dienstwagensitzen um die Ohren schlagen.“

   „He, ich mag Onionburger, Charles.“

 „Klar, und die Nächte mit mir ganz besonders“, Charles gestikulierte mit seiner Hand einen schnatternden Schnabel vor Peter Tremptons Gesicht. Er schob den letzten sperrigen Bissen vom Imbiss in den Mund und warf die zerknüllte, fettige Pappschachtel in den Fußraum.

Peter Trempton hielt ihm demonstrativ eine Plastiktüte vor die Nase. 

   „Ja. Im Prinzip schon, Charles, und wenn du aufhörst, mein Auto zuzumüllen, mach ich dir einen Antrag.“

Charles grinste.

   „Melly hat dich gut im Griff, was? Ich habe meinen Müll noch nie liegen lassen, also mach halblang, Pete, sonst bestell ich einen vollen Müllkipper zu deiner Bachelor Party“, sagte Charles, während sie ausstiegen.

Peter Trempton winkte ab. Er kannte die mangelnde Fahrzeughygiene seines Streifenpartners zur Genüge. Er dehnte, reckte sich und marschierte zur Telefonzelle um ein bisschen mit seiner Freundin, Melly, zu quatschen, bevor sie ins Bett ging. An der Zelle angekommen schnüffelte er.

   „Hier drin riecht's nach Sünde, Charles. Sie muss telefoniert haben. Wieso hat eine wie die denn kein Mobiltelefon?“, grübelte er laut.

   „Du hast eins und telefonierst trotzdem jede Nacht hier in der alten Laberkapsel“, antwortete Charles.

  „Hast du heute eigentlich ihren Hund gesehen, Charles?“, rief Peter Trempton seinem Streifenpartner hinterher.

Er bekam keine Antwort. Charles hatte eine Zigarette im Mundwinkel und seinen Penis gerade zum Pinkeln aus der Hose geholt. Er stand mit dem Rücken zur Telefonzelle und genoss die fortschreitende Druckentlastung seiner Blase mit geschlossenen Augen.

Einhundertfünfzig Meter entfernt, hinter der Sandsteinmauer der alten Kirche, lauerte der Killer. Er legte das Nachtsichtglas vorsichtig auf die Mauer, vergewisserte sich zum x-ten Mal, dass die Fernbedienung aktiviert war und grübelte.

Das war gerade noch mal gut gegangen. Nur einen Moment früher und die Cops hätten ihn erwischt, als er den Sprengsatz installierte. So schnell konnte der perfekteste Plan Makulatur sein. Ein Schauer rieselte ihm über den Rücken. Er ließ das Licht an seiner Armbanduhr aufleuchten. 23.54 Uhr. Gespannt beobachtete er das Geschehen vor der Telefonzelle. Trempton telefonierte. Sein Compagnon stand etwas abseits vor einem Baum und pisste.

   „Mein Gott, was hat der Idiot für eine Blase“, flüsterte er, „pisst und pisst! Ich hätte ein Kilo mehr nehmen sollen.“ Er atmete geräuschvoll ein.

    „Setz deinen Arsch endlich in die Karre, Bastard“, knurrte er wütend. „Dann hab ich euch beide!“

Der Blütenstaub aus den Rhododendronbüschen, unmittelbar neben ihm, reizte seine Nasenschleim-haut und ließ seine Augen tränen. Wieder fühlte er, wie das Atmen zunehmend schwerer wurde. Er nahm einen Hub aus dem Asthma-Aerosol.

    „Zum Teufel mit dir, Trempton! Diesmal bist du der mit der Arschkarte“, keuchte er.

Er hatte das Wort noch auf der Zunge, als Trempton den Hörer auf die Gabel hängte und gegen die Tür drückte, um sie zu öffnen. Im selben Augenblick drückte der Killer seinen Daumen bis zum Anschlag auf den Knopf an der Fernbedienung.

Um 23.58 Uhr zerfetzte eine gewaltige, ohrenbetäubende Detonation die friedliche Stille über White Springs. Feuer speiende Eruptionen erleuchteten den Himmel über dem Stadtpark. Mit gnadenloser Wucht schlugen Glas und Metallteile gegen Baumstämme und zerstoben funkensprühend auf dem Asphalt. Charles Houghton spürte einen einzigen mörderischen Schlag im Genick und sein Kopf prallte gegen den Baum, der vor ihm stand.